Fünf Tage verbrachten wir am tiefblauen Titicacasee, dem höchsten schiffbaren See der Welt. Einen schönen Schlafplatz fanden wir in einer Camping-/Ferienhausanlage im Dörfchen Chucuito. Der strahlende Sonnenschein dort bot eine gute Gelegenheit, mal wieder einen Frühlingsputz unseres rollenden Zuhauses zu machen. Außerdem nutzte Nora die frühen Sonnenstrahlen am Morgen, um sich auf der Yogamatte auszutoben.
Durch die App iOverlander, die mit das hilfreichste Utensil auf unserer Reise ist, erfuhren wir von einer lokalen Familie, die Interessierten Zugang zu einem ganz speziellen Teil des Titicacasees bietet: den Uros. Dies sind ca. 100 aus Schilf gebaute schwimmende Inseln mitten im See, auf denen etwa 2000 Menschen leben. Auf einer dieser Inseln leben Yordi und Dina, die Gäste aus der ganzen Welt in ihrem Zuhause empfangen.
Die beiden holten uns mit Yordis neunjähriger Schwester am Ufer ab und brachten uns in ihrem Boot zur schwimmenden Siedlung. Faszinierend war, dass die Jüngste unter uns mit großer Selbstverständlichkeit ganz bald das Bötchen steuerte und uns sicher ans Ziel brachte. Später erfuhren wir, dass sie sogar jeden Morgen allein mit dem Boot zu einer der drei schwimmenden Schulen fährt.
Yordi zeigte uns, wie die Inseln gebaut werden: Die untere Ebene besteht aus dem Wurzelwerk des Schilfs, das zumindest auf der peruanischen Seite des Sees in Hülle und Fülle wächst. Die Oberfläche der Inseln besteht aus frisch geerntetem Schilf. Um keine nassen Füße zu bekommen, müssen die Uros alle zwei Wochen mit neuem Schilf bedeckt werden.
Da die Inseln nach etwa 20 – 30 Jahren zu dick und zu schwer werden, müssen sie dann durch eine neue Konstruktion ersetzt werden. Die Wohnhäuser, die ebenfalls aus Schilf bestehen, ziehen jeweils mit um auf den neuen Untergrund. Etwa fünf Mann können ein solches Haus problemlos versetzen, da es nicht allzu viel wiegt.
Nach der kleinen Theoriestunde über die Kunst des Inselbaus luden uns Yordi und Dina ein, ihre traditionelle Kleidung anzuprobieren. Das Angebot konnten wir den beiden liebenswerten Gastgebern natürlich nicht ausschlagen und zu ihrer großen Freude machten wir in diesem Outfit noch ein gemeinsames Gruppenfoto.
Die Bewohner der Uros arbeiten heute entweder in der auf dem Festland gelegenen Stadt Puno oder sie leben vom Tourismus. Yordi und seine Familie verkaufen außerdem Souvenirs aus Schilf und Stickereien. Auf unserem Weg zurück ans Festland bewiesen sie uns auch gleich ihre Fingerfertigkeit und bastelten als Geschenk zwei kleine Schilfboote für uns. Wir hatten einen tollen Tag mit Yordi und Co. und sind beeindruckt von ihrer einzigartigen Lebensweise.



















