Auf unserem weiteren Weg Richtung Süden, den wir ja wie berichtet vorerst nicht in Chile, sondern in Argentinien fortsetzen, wählten wir als Alternative zur legendären Ruta 40 den Weg durch den Nationalpark Los Alerces. Über Schotterpisten fuhren wir einmal mehr entlang glasklarer Seen in die grüne Berglandschaft hinein.
An einem der Seen ließen wir uns zum Übernachten direkt am Ufer nieder. Die hohen Temperaturen und die große Anziehungskraft der tiefblauen patagonischen Seen trieben uns ins kühle Nass. Doch zum gemütlichen Baden reichen die Wassertemperaturen leider noch nicht ganz aus und so diente uns der See eher als Dusche-Ersatz denn als Swimmingpool – so abgehärtet sind wir dann doch noch nicht…
Nur wenig nach uns „störten“ an diesem Freitagabend drei argentinische Jungs – mit allerlei Camping-Equipment, Kayaks und Proviant im Schlepptau – die Einsamkeit. Es verging nicht viel Zeit, bis sie alle und auch wir ein Bierchen in der Hand hatten und wir ins Gespräch kamen. Während zwei von ihnen noch den See mit ihren Kayaks erkundeten, hatte der Dritte, Gonzalo, schon das Lagerfeuer entfacht, an das wir uns gern dazu gesellten.
Langsam, aber sicher begann Gonzalo, das Essen zuzubereiten, was zu unserer großen Überraschung nicht darin bestand, schnell-schnell blasse Würstchen auf den Grill zu werfen. Vielmehr nahm der leidenschaftliche Hobby-Koch eine sogenannte Disco zur Hand, ein sehr argentinisches Kochutensil, das wohl im 20. Jahrhundert von Bauern aus der Pampa erfunden wurde. Dabei handelt es sich um eine aus alten Pflugscheiben geformte Eisenpfanne mit Füßen, unter der mit Holz gefeuert wird. Darin wurde aufwendig gekocht und geschmort: Das ganze Prozedere dauerte von etwa 8 Uhr abends bis ca. 1 Uhr morgens, bis die Jungs das Gericht endlich als fertig betrachteten und wir zum Probieren eingeladen wurden.
Bis dahin wurde das eine oder andere Bier geopfert und ein paar Gläser Fernet Branca mit Cola gemixt. Auf jeden Fall haben wir den Abend mit den Einheimischen sehr genossen und durften viel über Land und Leute erfahren.
Am nächsten Tag (eher spät als früh) fuhren wir weiter in die nahegelegene Stadt Esquel, um unsere Vorräte aufzufüllen – schließlich hatten uns andere Reisende vorgewarnt, dass auf den kommenden 1000 Kilometern die Dichte an guten Supermärkten sehr gering sei. Die Strecke führt nämlich mitten durch die Pampa – das grosse Nichts. Für uns aber überhaupt nicht schlimm: die unendliche Weite, die Wolkenstrassen und die am Straßenrand weidenden Guanacos wirkten auf uns schon fast beruhigend. Ab und zu waren auch Gürteltiere, Nandus (kleine Sträuße) und sogar ein Kondor zu sehen. Letzterer trotzt dem berühmten patagonischen Wind meisterhaft.
Die Strecke haben wir durch einen Abstecher in den fast an der Grenze zu Chile gelegenen noch jungen Nationalpark mit dem einfallsreichen Namen „Patagonien“ unterteilt, wo wir eine Tageswanderung unternahmen.
Nach der Pampa erreichten wir die erste große Touristendestination in Patagonien. Vom Örtchen El Chaltén aus erkundeten wir die Umgebung der berühmten Berge Cerro Torre und Cerro Fitz Roy inklusive dem Gletscher Piedras Blancas. Beide Wanderungen hatten es mit je 20 Kilometern in sich…
Fünf Nächte verbrachten wir im Vorgarten eines Hostels, das vorwiegend Kletterbegeisterte beherbergt. Von diesen ließen wir uns anstecken und bestiegen auch die eine oder andere Wand (der Cerro Torre musste es für uns – im Gegensatz zu den Absichten anderer Gäste – ja nicht gerade sein).
Aktuell sitzen wir inmitten der einzigen, windschattenspendenden Büsche in der Nähe des Eingangs zum Nationalpark Los Glaciares, wo wir morgen früh den berühmten Gletscher Perito Moreno besichtigen wollen. Wir hoffen auf gutes Wetter!











