Von Puerto Natales ging es für uns auf in Richtung Feuerland. Richtig vorstellen konnten wir uns nicht, wie’s auf dieser Insel, die halb zu Chile und halb zu Argentinien gehört, aussieht. Umso größer unsere Lust, sie zu entdecken!
Da wir gehört hatten, dass die Fähre von Punta Arenas auf die Insel wegen heftigen Winden die letzten Tage ausgefallen war, entschieden wir uns für die kürzere Fährfahrt ab Punta Delgado. Nach kleiner Wartezeit im Hafen konnten wir auch schon aufs Schiff, um die Magellanstraße zu überqueren. Die Überfahrt wäre denn problemlos verlaufen, hätte nicht Kilian draußen an Deck Delfine gucken wollen und wäre er nicht dabei vom kühlen Nass getauft worden…
Da es bei Ankunft auf Feuerland schon spät war, beschlossen wir, den erstbesten Schlafplatz anzusteuern. Dieser lag in der Siedlung Cerro Sombrero, windgeschützt hinter dem Kino. Die Einheimischen waren es offenbar schon gewohnt, dass hier mitten im Dorf Camper stehen und die Toiletten der nebenan liegenden Turnhalle mitbenutzen, grüßten sie doch freundlich.
Ohnehin ist die Siedlung sehr interessant: Sie wurde, finanziert durch eine Erdgasfirma, augenscheinlich auf dem Reißbrett erstellt. Alle Gebäude rund um den Dorfplatz wirken wie aus einem Guss und ziemlich in die Jahre gekommen – so stellen wir uns Städtchen in der ehemaligen Sowjetunion vor.
Nicht weit von dort hat sich in der Bahía Inútil – übersetzt „unnütze Bucht“ – eine Kolonie Königspinguine niedergelassen, die vor allem Nora den eisigen Wind vergessen ließ. Die schönen Tiere können von ziemlich nah beobachtet werden. Gerade waren einige von ihnen am brüten und schützten die großen Eier unter ihrem Federmantel. Wie sie so durch die Gegend laufen wirkt ein wenig unbeholfen und jede Windböe müssen sie durch geschickte Positionierung ihrer Flügel ausgleichen. Wenn da mal der Nachbar einen Seitenhieb bekommt, wird dies sogleich mit einem Ruf oder „Zurückhauen“ signalisiert. Eine sehr unterhaltsame Truppe!
Weiter südlich und noch immer im chilenischen Teil der Insel machten wir im Karukinka Nationalpark eine Wanderung. Goldman Sachs hatte den Park vor Jahren ins Leben gerufen und finanziert ihn weiterhin. Win-Win – die Landschaft, Guanacos und Kondore werden geschützt, die Bank erhält Steuervorteile, weil sie in dieser abgelegenen Gegend investiert.
Andere Reisende hatten uns bereits vom „Ende der Welt“ auf chilenischer Seite vorgeschwärmt. Und so ließen wir es uns nicht nehmen, die 130 km lange Sackgasse in den Süden bis ans Ende der öffentlich zugänglichen Straße bzw. Schotterpiste zu befahren. Irgendwann endet sie mitten im Gebirge. Weiter darf nur das Militär, das die Straße bis an den Beaglekanal baut. Die Strecke führt entlang an Seen und über Gebirgspässe, wir konnten Biber und Kondore beobachten – „Ende der Welt“-Gefühle kamen definitiv auf, wenn auch sehr positive.
Um noch weiter in den Süden zu gelangen, mussten wir ersteinmal wieder Richtung Norden fahren, um die Grenze nach Argentinien zu überqueren und die Verbindung an die Atlantikküste nehmen zu können – wiederum einige Kilometer auf Schotter. Dass am Grenzübergang mitten in der Steppe nicht gerade viel los ist, führte uns der chilenische Grenzbeamte vor Augen: Als wir in Sichtweite der menschenleer wirkenden Grenzstation kamen, öffnete sich die Tür eines der vielen kleinen Holzhäuschen, der Grenzbeamte sprang von der Veranda und sprintete los in Richtung des eigentlichen Grenzgebäudes, wo Ein- und Ausreisen abgewickelt werden, um dann – wie als nichts gewesen wäre – locker hinter dem Tresen zu stehen und unsere Pässe zu verlangen.
Die argentinische Seite brachte uns ebenso zum Schmunzeln: Nachdem Kilian die Papiere für den Fahrzeugimport unterzeichnete, scherzte der Zollbeamte, dass er sich für die Überschreibung des Autos an ihn herzlich bedanke… Noras Frage, ob wir nach ihm noch mit jemand Weiterem sprechen müssten (üblicherweise mit dem Amt für Landwirtschaft, das die Fahrzeuge jeweils nach „verbotenen“ Lebensmitteln inspiziert), beantwortete er nur grinsend mit „Ja, wenn ihr wollt“, um uns im nächsten Moment aber die Schranke zur Einfahrt auf argentinischen Boden zu öffnen.
Auf der argentinischen Seite Feuerlands liegt das Städtchen Ushuaia. Es gilt als das Südlichste der Welt. Nach 20 000 Kilometer, die wir bisher auf unserer Reise von Nord nach Süd zurückgelegt hatten, gehörte es natürlich auch für uns dazu, hier herzukommen. Lange hielt uns allerdings nicht viel in der Stadt. Nach einem kleinen Bummel, einem Käffchen und dem obligatorischen Foto vor dem „Fin del Mundo“-Schild, zog es uns wieder in die Natur. Erstmals seit sechs Monaten ist unsere Hauptreiserichtung von nun an also nicht mehr Süden sondern Norden.
Ein paar weitere Tage werden wir auf Feuerland verbringen, um dann eine 42-stündige Fährfahrt ab Puerto Natales zum Südzipfel der chilenischen Carretera Austral zu nehmen. Wir hoffen auf sommerliche Temperaturen, um dort in den ein oder anderen See zu hüpfen 🙂




























