Unsere Jagd auf den Sommer war erfolgreich! Seit knapp einer Woche sind wir im Norden Argentiniens unterwegs, wo ein Tag heißer als der Andere ist. Nora freuts, Kilian schwitzt und sehnt sich fast ein bisschen nach Patagonien zurück. Aber das haben wir nun definitiv hinter uns gelassen.
In Valdivia, Chile, wo der letzte Post entstanden ist und wo sich der Sommer bereits sanft angekündigt hat, haben wir noch eine außergewöhnliche Bekanntschaft gemacht. Als wir nichts ahnend dort am Fluss entlang spazierten, schauten wir plötzlich auf wohl eines der wuchtigsten Tiere, die wir je gesehen hatten: Ein riesiges Walross machte dort Siesta und lag platt wie eine Flunder auf einer schwimmenden Insel direkt am Ufer. Ab und zu rümpfte es mal die Nase oder es zuckte eine der Flossen. Sehr bewegungsfreudig schien uns das Tier nicht, bis es sich auf einmal mit den Vorderflossen aufstemmte, den Kopf in den Nacken warf und mehrmals genüßlich gähnte. In strategisch günstiger Lage in der Nähe des Fischmarktes scheint sich das Tier ein überaus gemütliches Leben leisten zu können!
Auch bei unserem nächsten Stopp in Villarrica, ebenfalls in Chile, das wir auf dem Weg nach Süden vor einiger Zeit schon besucht hatten, wartete eine Überraschung auf uns. Als wir an unserem Schlafplatz auf dem Parkplatz des städtischen Kulturzentrums eintrudelten, sahen wir sogleich auf einem Plakat, dass in einer halben Stunde ein Philharmoniekonzert losgehen würde. Und so saßen wir schon wenige Minuten später im Konzertsaal und lauschten Beethoven und Co. – ein sehr außergewöhnliches, aber nicht weniger willkommenes Abendprogramm für uns.
Seit unserem zweiten Besuch von Villarrica zählen wir auch endlich zu den stolzen Besitzern eines Discos, einer traditionell argentinischen Pfanne, mit der man über offenem Feuer kochen kann (wir berichteten schonmal darüber). Der Disco war nun schon einige Male in Gebrauch – das Kochen auf unserem Benzinkocher ist ganz langweilig dagegen 😉
Dann waren zwei Tage Wellness für den Bus angesagt. Zum Einen haben wir die Reifen wechseln müssen (die Schotterpisten hier nagen doch arg am Profil), zum Anderen stand der grosse Tag des Stoßdämpferwechsels bevor. Der Weg dahin war eine emotionale Achterbahnfahrt; noch am Abend vor dem mit der Werkstatt abgemachten Termin drohte das Projekt zu scheitern, da der Stoßdämpfer nicht (mehr) auffindbar war. Das brachte uns ins Schwitzen, doch zum Glück kam schon kurze Zeit später Entwarnung – alles bleibe beim Alten, der Stoßdämpfer sei (wieder) da… Und Gott sei Dank ging dann alles ganz problemlos über die Bühne und so gleiten wir nun fast wieder über Stock und Stein.
Auf dem weiteren Weg Richtung Norden ließen wir die chilenische Hauptstadt Santiago links liegen und steuerten einen der Andenpässe hinüber nach Argentinien an. Vorbei am Aconcagua, dem mit 6962m höchsten Berg Amerikas, schlingelten wir uns über 28 scharfe Kurven die Berge bis zum Grenzübergang hinauf. Dort verlief alles wie immer problemlos – die nächsten Wochen werden wir nun im heißen Norden Argentiniens verbringen.
Schon bald nach dem Grenzübergang beginnt südlich der Stadt Mendoza die wohl größte Weinregion Argentiniens, das Valle de Uco. Da mussten wir natürlich gleich schauen, ob die argentinischen Weine genauso gut schmecken wie die Chilenischen. Auf einem der etlichen Weingüter setzten wir uns also am Nachmittag auf die Terrasse und gaben nach einem kurzen Blick in die Weinkarte unsere Bestellung auf: Nora Rosé, Kilian Weiß. Der Kellner notierte es und schritt davon. Nach nur wenigen Sekunden aber machte er kehrt, um sich noch einmal zu vergewissern, ob denn unsere Bestellung so wirklich richtig sei – ob wir wirklich die beiden Flaschen wünschten?! Wir schauten uns nur verdutzt an, woraufhin er klarstellte, dass die Preise, die in der Karte stehen, jeweils pro Flasche zu verstehen seien. Wir disponierten also um und ließen es bei einer Flasche bewenden, die etwa so viel kostete wir bei uns normalerweise ein Glas – daher unser Trugschluss und des Kellners Verwirrung.
Den Wein ließen wir uns schmecken und freuten uns, als wir später am Nachmittag unsere Schweizer Amigos, mit denen wir Weihnachten und Silvester gefeiert haben, wieder trafen. Nun sind wir seit mehreren Tagen gemeinsam unterwegs und brüten in der Hitze. Eine kleine zwischenzeitliche Abkühlung war da nur der Besuch eines Weinguts, wo wir im Rahmen einer Führung den herrlich kühlen Weinkeller anschauen durften.
Um unsere Weinroute fortzusetzen, steuerten wir das Weingut des Schweizers Dieter Meier an. Leider aber war das Restaurant nicht mehr geöffnet, als wir ankamen und so mussten ein kurzer Gang über die hübsche parkähnliche Anlage und ein Fotoshooting vor der Eingangspforte reichen.
Durch eine weite Wüstenlandschaft werden wir uns nun weiter gen Norden bewegen, immer zu Füßen der Ostflanke der Anden. Das nächste „große“ Ziel ist die Stadt Salta, im extremen Norden des Landes. Von dort aus wird der Weg dann immer Richtung Atlantikküste führen. Bis dahin liegen wohl noch größere und kleinere Abenteuer vor uns, von denen wir hier natürlich berichten werden!










